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Vom Szene-Geheimtipp zum Liedermacher:innen-Familientreffen
Wer die Geschichte des adriAkustik Liedermacher:innenfestivals erzählen will, muss an den Niederrhein reisen - zu einem Bauernhof in Kevelaer.
Dort trafen sich seit 1997 Musiker:innen um das Duo Joint Venture, um sich auf einer Art offener Bühne ihre Lieder zu zeigen. Vom nervösen Anfänger bis zum trunkenen Profi war alles dabei.
Schnell entwickelte sich das wilde Event zum Geheimtipp.
Doch kein Glück hält ewig: 2011 verlor die Szene ihr Kevelaer.

2013, auf dem ersten adriAkustik, traf Götz Widmann, Liedermacher aus Bonn und ehemaliges Joint-Venture-Mitglied, auf Martin Veit - und erzählte ihm vom Kevelaerschmerz. Das Festival, benannt nach dem nahegelegenen Speicherbecken Borna - der "Adria" -, hatte Veit im Rahmen eines studentischen Praktikums beim Pro Regio e.V. organisiert, der auch den Kulturpark Deutzen betreibt. Das grüne Gelände bei Leipzig schien wie geschaffen, um die Kevelaer-Tradition neu zu beleben und den deutschsprachigen Liedermacher:innen ein neues Wohnzimmer zu schenken. Martin und Götz beschlossen, die beiden Konzepte zu fusionieren.
Gesagt, getan: Seit 2014 zieht es jedes Jahr im August Liederschaffende und Liederliebende nach Deutzen. Das adriAkustik Liedermacher:innenfestival ist längst viel mehr als "Kevelaer" je sein konnte. Die Anarchie ist professionellem Veranstaltungsmanagement gewichen, ohne Nähe und Freiheit des Originals zu verlieren. Heute präsentieren sich die Künstler:innen nicht mehr auf einem Scheunenboden, sondern auf echten Bühnen - mit Ton, Licht und einem Publikum, das viele den Rest des Jahres vermissen.
Im Laufe der Jahre wuchs das adriAkustik sorgsam und beständig. Auch die Coronajahre und ihre vielfältigen Herausforderungen überstand es ohne Flucht in
Kommerzialisierung oder Wachstum um jeden Preis.
Dank eines engagierten Teams und der Unterstützung durch den Pro Regio e.V. lebt das Festival bis
heute.
Und mit ihm der "Geist von Kevelaer": die Liebe zu deutschsprachigen Liedern jenseits von Popklischees und deutschtümelnder Pose.
Das adriAkustik versteht Künstler:innen, Helfer:innen und Besucher:innen als gleichwertige Gemeinschaft. Aus dem kleinen Szene-Geheimtipp ist ein fünftägiger Schutzraum für Liederschaffende geworden - ein Glücksfall und das Familientreffen der Szene. Die meisten der rund 700 Mitmachenden kommen wieder… und immer wieder gern.

